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Den Grill anzünden mit Spiritus – Fehler mit Folgen

Jeder Grill arbeitet mit Hitze, außer dem Elektrogrill zudem mit Feuer. Alleine diese Tatsache macht jeden Grill potentiell gefährlich. Leichtsinn, unsachgemäße Handhabung oder Brandbeschleuniger führen dazu, dass sich jedes Jahr in Deutschland zwischen 3.000 bis 4.000 Grillunfälle ereignen. Davon sind 75% auf die Benutzung von Brennspiritus oder ähnlichen Brandbeschleunigern (Benzin oder Petroleum) zurückzuführen. Dies alleine schon zeigt das Gefahrenpotential, welches von einer leicht entzündlichen Flüssigkeit ausgeht, dessen Dämpfe zusätzlich extrem feuergefährlich sind.

Warum wird überhaupt daran gedacht, einen Grill mit Spiritus anzuzünden? Es könnte der Verdacht entstehen, Grillen sei ein langwieriges Unternehmen, wo Zeit eingespart werden muss. Das stimmt jedoch nicht, denn nach ca. 30 Minuten kann jeder Grill einsatzbereit sein. Wem das Vorglühen der Holzkohle zu lange dauert, hätte vielleicht ohnehin besser einen Gas- oder Elektrogrill wählen sollen. Seine Speisen nicht in der Küche, sondern im Garten auf einem Grill zuzubereiten, hat das besondere Flair des Grillens. Dazu gehört auch Holzkohle langsam zur gewünschten Glut zu verwandeln, ohne den Grill mit Spiritus anzuzünden. Wem es trotzdem zu lange dauert kann auf eine Vielzahl anderer Hilfsmittel zurückgreifen, um das Glühen zu beschleunigen. Bereits in unserer Rubrik Grill Zubehör haben wir auf vielerlei Hilfsmittel hingewiesen. Anzündkamine, Anzünder aus Holzwolle oder Wachs, Heißluftföhn oder Gebläse sind praktische und ungefährliche Hilfsmittel, die einen Holzkohle Grill auf Touren bringen.

Briketts glühend im Anzündkamin auf dem KohlerostDie Gefahren von Spiritus am Grill

Spiritus verursacht eine unkontrollierte Verbrennung, wenn die Flüssigkeit oder die Gase mit offenen Flammen, Hitze, heißen Oberflächen oder Funken in Verbindung kommen. Selbst Rauchen kann die Gase entzünden. Zudem verursacht Spiritus Augenreizungen. Alleine schon die Aufbewahrung von Spiritus kann, vor allem in Haushalten mit Kindern, ein Risiko in sich bergen. Wird ein Grill mit Spiritus angezündet, kann eine Stichflamme entstehen, welche bis in die Spiritusflasche schlägt. Durch die Gase von Spiritus besteht zusätzlich die Gefahr einer Spiritus-Dampfglocke, welche in einer 3 Meter breiten Feuerwand abbrennt. Dabei entstehen Temperaturen zwischen 1.000 und 1.800°C. Schlimmste Verbrennungen und auch der Tot können die Folge einer solchen Verpuffung sein. Viele Opfer eines solchen Grillunfalls leiden ihr Leben lang an Entstellungen sowie funktionellen Einschränkungen. Die Schädigung der Atemwege durch die enorme Hitze (Inhalationstrauma) hat schon mehrfach zum Tode geführt. Nicht nur derjenige, welcher seinen Grill mit Spiritus anzündet ist betroffen, sondern auch Personen in der Nähe des Grills. Häufig sind auch Kinder von solchen Grillunfällen betroffen. Je nach Standort des Grills, zum Beispiel überdachte Terrasse, besteht sogar die Gefahr einen Brand auszulösen und erheblichen Sachschaden zu verursachen.

Rechtlich ist nicht nur der Verursacher haftbar, sondern auch die Beteiligten eines Grillfestes, welche die Benutzung von Brandbeschleunigern nicht verhinderten (Mitverschulden). Somit haben auch Passiv-Griller gezielt gegen den Einsatz von Brennspiritus vorzugehen (OLG Hamm, Urteil vom 21.4.2009, 9 U 129/08).

Richtige Griller sind sich der Gefahren bewusst und verzichten darauf einen Grill mit Spiritus anzuzünden. Sie kennen (Du jetzt auch) genügend Möglichkeiten, ein zügiges Vorglühen der Grillkohle ungefährlich zu bewerkstelligen. Sie lassen sich alle Tricks einfallen, den Geschmack ihres Grillgutes zu verbessern (zum Beispiel aromatische Holzchips). Für einen Griller wäre es eine Sünde, den besonderen Geschmack von ihren Speisen durch den Spiritusgeschmack zu ersetzen, der jedem Grillgut anhaftet wenn zuvor der Grill mit Spiritus gezündet wurde.



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